Flora im Naturgarten
sowie Pilze und Flechten

Flechten

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Flechten (Lichenes) sind strenggenommen keine Pflanzen, sondern symbiotisch lebende Doppelorganismen aus Pilzen (Flora) und Algen bzw. Cyanobakterien (Fauna). Die Stärke dieser Symbiose besteht darin, dass Flechten auch extremste Standorte der Erde besiedeln können. Sie überleben andauernde Kälte ebenso wie lange Trockenperioden. Aus diesem Grund findet man sie in der Arktis genauso wie bis weit oberhalb der Baumgrenze in den Hochgebirgen. Die Schwäche zeigt sich vor allem in der nur beschränkt möglichen Anpassung an (anthropogen) veränderte Umweltbedingungen, vor allem bezüglich der Luftqualität. In industriellen Ballungsgebieten wird man deshalb nur wenige, besonders resistente Flechten finden, wohingegen ungestörte Naturregionen über eine reichhaltige Flechtenbesiedlung verfügen. Aus diesem Grund dienen Flechten auch als wichtige Bioindikatoren.

Flechten besiedeln primär Baumrinden, Totholz und Steine, man findet sie mitunter aber auch am Erdboden oder im Wasser. Es gibt Arten, die sowohl Kalk- als auch Silikatgestein besiedeln. Andere Arten findet man nur auf basischem Gestein oder nur auf Silikatgestein.

Die meisten Flechten zeichnen sich durch eine undefinierbare Farbe aus, die zwischen schmutzigem weiß über grau, beige, graugrün, graugelb oder grau- bis schwarzbraun variieren kann. Es gibt aber auch farbenfrohe Arten wie z.B. die an erster Stelle gezeigte Gelbflechte (Xanthoria parietina).

Die Bestimmung der Flechten erfolgte teils per Augenschein, teilweise aber auch über chemische Reaktionen (Kalilauge, Natriumhypochlorid und Para-Phenylendiamin-Lösung). Auch Prüfungen mit Jod-Lösungen sind möglich, doch habe ich dies nie versucht,

Nachfolgend stelle ich die Flechten in unserem Garten bzw. dessen unmittelbarer Nähe vor.


Dies ist die Gelbflechte (Xanthoria parietina), die man hier fast an jedem Laubbaum findet. Sie besiedelt aber auch Steine.


Die Echte Becherflechte (Cladonia pyxidata) findet man am Erdboden (meist mit Moosen vergesellschaftet) ...

  ... und auf Totholz


Die Gewöhnliche Säulenflechte (Cladonia coniocraea) trifft man vorzugsweise an toten Baumstümpfen an, aber auch mit Moosen vergesellschaftet am Boden. 

Hier noch drei weitere Cladonia-Arten, die ich an bzw. auf einem unserer Baumstümpfe (Fichte) in schattiger Lage fand:


Finger-Becherflechte (Cladonia digitata), von der ähnlichen C. polydactyla durch deren kleineren und gekerbten Lagerblättchen zu unterscheiden.

  Cladonia pleurota und ...


... die Schuppige Cladonie (Cladonia squamosa) an einem Baumstumpf



Die Schildflechte (Peltigera sp.) besiedelt lückig bewachsenen Erdboden


Die Pflaumenflechte (Evernia prunastri) findet man besonders an Zweigen von Fichten, Lärchen und alten Laubbäumen.


Ebenso häufig ist das Baummoos (Pseudovernia furfuracea)


Die Bartflechte (Usnea filipendula) siedelt sich gern an morschem Holz (z.B. an Zäunen) an. Man findet sie ebenso an Bäumen.


Auch den gelbgrünen Wolfstöter (Vulpicida pinastri) findet man am Gartenzaun. Er wächst aber auch an Nadelholz-Baumstümpfen.

An wenig bewachsenen, steinigen und sickerfeuchten Stellen findet man die Gallertflechte (Collema sp.), die im trockenen Zustand fast schwarz erscheint und unter Feuchtigkeit gallertartig aufquillt. Man kann die Gallertflechte leicht mit der Blaualge Nostoc commune verwechseln:




Die Stern-Schwielenflechte (Physcia stellaris) findet man an sonnenexponierten Stämmen und Ästen von Laubbäumen.

  Astflechte (Ramalina farinacea) an Birke


Blasenflechte (Hypogymnia sp.) auf dem Gartenzaun (Lärche)